Wirbelsäule

Noch vor wenigen Jahren stand die konservative Behandlung von Wirbelsäulenverletzungen ganz im Vordergrund. Verbesserte diagnostische Möglichkeiten (Computertomografie und Kernspintomografie) und Klassifikationen haben zu einem differenzierten Verständnis der einzelnen Verletzungen beigetragen.

Durch die Entwicklung neuer Operationstechniken und spezieller Implantate können Wirbelsäulenoperationen heute viel schonender als früher durchgeführt werden. So werden inzwischen viele Operationen an Brust- und Lendenwirbelsäule perkutan, also minimalinvasiv durch sehr kleine Hautschnitte durchgeführt. Durch neue Verfahren wie der perkutanen Zementierung von Wirbelkörpern (Vertebro- und Kyphoplastie) hat sich eine Indikationserweiterung für die operative Behandlung osteoporosebedingter Wirbelkörperfrakturen ergeben.

Mit der computer-assistierten Chirurgie (CAS) steht dem Chirurgen ein weiteres modernes Hilfsmittel zur Verfügung. Über ein Navigationssystem wird die Verbindung zwischen der realen Patientenwelt und dem Röntgenbildern und CT-Bildern des Patienten hergestellt. Der Chirurg behält die alleinige Kontrolle und bekommt Echtzeitinformation über die genaue Position der Instrumente im OP Situs ohne zusätzliche Röntgenstrahlung. Dieses führt zu einer bei deutlich erhöhter Genauigkeit der Implantatplatzierung und mehr Sicherheit für den Patienten mit weniger postoperativen Komplikationen.

Wir behandeln in unserer Klinik sämtliche Verletzungen der Wirbelsäule, vom ersten Halswirbelkörper bis zum Kreuzbein, sowohl frische Verletzungen als auch Spätfolgen, und in jedem Lebensalter. Zunehmend spielen, gerade bei älteren Patienten, auch Begleitumstände eine wesentliche Rolle, wie etwa degenerative Veränderungen, Osteoporose oder Bechterewsche Erkrankung. Ob und welche Operationstechniken zum Einsatz kommen, ist sehr vom Einzelfall abhängig und bedarf einer individuellen Beratung. In vielen Fällen ist auch nach wie vor eine nichtoperative Behandlung möglich.

Neben den Frakturen behandeln wir ebenfalls Tumoren und Metastasen der Wirbelsäule, dies in enger Abstimmung mit den onkologischen Abteilungen der MHH. In den letzten Jahren wurde durch verbesserte medikamentöse Therapien und differenzierte Früherkennung eine stete Zunahme von Tumoren und Knochenmetastasen an der Wirbelsäule beobachtet. Auch hier ist das Spektrum der Therapien breit, von aufwändigen Operationen mit Entfernung und Wiederherstellung von Teilabschnitten der Wirbelsäule bis hin zur minimalinvasiven Stabilisierung von Wirbelkörpern durch Vertebro- und Kyphoplastie.

Auch degenerative Veränderungen der Wirbelsäule können zu einer empfindlichen Einschränkung der Lebensqualität führen. Etwa bei Spinalkanalstenosen (Einengung des Wirbelkanals) oder degenerativen Skoliosen (Verkrümmungen der Wirbelsäule) kann heute mit modernen Methoden häufig eine deutliche Besserung der Lebensqualität bei geringer Invasivität erreicht werden. Moderne, schonende Anästhesieverfahren und die intensivmedizinischen Möglichkeiten der MHH tragen ebenfalls zum Therapieerfolg bei.