Rettungshubschrauber (RTH) / Notarzteinsatzfahrzeug (NEF)

Der Rettungshubschrauber Christoph 4 ist seit dem 2. Oktober 1972 an der Medizinischen Hochschule Hannover stationiert und einer von 12 Zivilschutzhubschraubern in Deutschland. Die Besatzung des Hubschraubers besteht aus drei Personen: Pilot, Notfallsanitäter und Notarzt. Träger des Luftrettungsstützpunktes ist das Land Niedersachsen, vertreten durch das Ministerium für Inneres und Sport. Betrieben wird der Hubschrauber durch die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., diese stellt die Notfallsanitäter (TC-HEMS) der Station und ist verantwortlich für den gesamten Betriebsablauf. Die sehr erfahrenen Notärzte kommen allesamt aus der Unfallchirurgischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover. Geflogen wird der Hubschrauber durch Piloten der Bundespolizei Fliegerstaffel Nord aus dem Stützpunkt Gifhorn.

Christoph 4 gehört zu den einsatzstärksten Rettungshubschraubern in Deutschland. Die Aufgabe ist die Zubringung des Notarztes zu einem Patienten und ggf. der zügige Transport in eine geeignete Klinik. Die Behandlung umfasst alle Arten der Notfalleinsätze: internistische und neurologische wie Herzinfarkte und Schlaganfälle, traumatologische wie Verkehrs- oder Haushaltsunfälle, sowie Kindernotfälle.

Der Hubschrauber ist von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang im Einsatz und besitzt einen Kerneinsatzradius von ca. 50km und fliegt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 259 km/h. Die Alarmierung erfolgt durch die Leitstelle Hannover je nach Notwendigkeit.

Notarzteinsatzfahrzeug

In den frühen Anfängen der Rettungsmedizin war es üblich, den Patienten mittels eines geeigneten Transportmittels schnellstmöglich in die nächstgelegene Praxis oder Klinik zur ärztlichen Konsultation zu transportieren. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts wurden erste Rettungsverordnungen in den einzelnen deutschen Ländern gegründet, in denen die Lebensrettung zur Pflicht jedes Bürgers erklärt wurde.

Ende des 19. Jahrhunderts verfügten die meisten deutschen Großstädte über ein organisiertes Krankenbeförderungswesen, wobei jeweils der Notfallpatient zum Arzt transportiert wurde. Erst 1938 postulierte der Heidelberger Chirurg Prof. Kirschner, dass nicht der Patient zum Arzt, sondern vielmehr der Arzt zum Patienten kommen müsse. Es dauerte jedoch noch bis zu den 1950er Jahren, bis der Einsatz von Notärzten im Rettungsdienst in Deutschland erstmals erfolgreich erprobt und bundesweit eingesetzt wurde. Dabei hat sich in Deutschland das sogenannte „Rendezvous-System“ durchgesetzt, bei dem sich das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) als Notarztzubringer und ein Rettungswagen (RTW) an der Einsatzstelle treffen.

Die Separierung von Rettungswagen und Notarzt hat dabei den Vorteil, dass der Notarzt bei minderschweren Einsätzen ohne zwingenden arztbegleiteten Transport schneller wieder verfügbar ist. Darüber hinaus ist das durch einen Notarzt zu versorgende Gebiet aufgrund der höheren Flexibilität deutlich größer.

In Deutschland sind die Länder und Kommunen zuständig für die Organisation des Rettungsdienstes. Die Landeshauptstadt Hannover ist somit als Träger des Rettungsdienstes verantwortlich für die dauerhafte Sicherstellung einer flächendeckenden und bedarfsgerechten rettungsdienstlichen Versorgung der Bevölkerung. Die Organisation des Rettungsdienstes im Stadtgebiet wird dabei von Mitarbeitern der Berufsfeuerwehr als Teil der Stadtverwaltung übernommen. Eine Alarmierung der entsprechenden Rettungsmittel wird dabei durch eine zentrale Leitstelle der Feuerwehr Hannover unter der Telefonnummer 112 vorgenommen. Hier wird je nach Krankheitsbild oder Schwere der Verletzung entschieden, ob ein Rettungswagen ausreicht oder ob ein Notarzt-besetztes Rettungsmittel erforderlich ist.

In Hannover gibt es insgesamt fünf Notarzteinsatzfahrzeuge, welche jeweils durch einen Arzt und einen Notfallsanitäter der Feuerwehr Hannover besetzt werden. Stationiert sind die Notarzteinsatzfahrzeuge an verschiedenen Krankenhäusern, welche strategisch über das Stadtgebiet verteilt sind. Das Notarzteinsatzfahrzeug 5 wird seit der Gründung der Unfallchirurgie an der MHH durch Mitarbeiter der Klinik für Unfallchirurgie besetzt. Das Fahrzeug ist nach den neuesten Richtlinien für Rettungsmedizin ausgestattet und führt unter anderem ein Beatmungsgerät, einen EKG-Monitor sowie ein umfangreiches Ampullarium an Notfallmedikamenten mit sich. Im Rahmen der unfallchirurgischen Facharztausbildung an der MHH muss jeder Mitarbeiter nach entsprechender Einweisung, unter Aufsicht durchgeführter Übungsfahrten und bestandener Prüfung für Notfallmedizin das Notarzteinsatzfahrzeug für mindestens sechs Monate besetzen. In der Regel wird wochentags ein Zweischicht-Modell durchgeführt, während sich an Wochenenden die Durchführung von 24-Stunden Diensten bewährt hat. Zwischen den Einsätzen sind die Ärzte der Unfallchirurgischen Klinik in anderen Bereichen wie z.B. der Notaufnahme tätig. Auch Studenten genießen an der MHH die einmalige Gelegenheit, im Rahmen eines Praktikums Fahrten auf dem NEF 5 zu begleiten und dem Notarzt bei den Einsätzen über die Schulter zu schauen. Die Zahl der NEF-Einsätze steigt seit der Gründung kontinuierlich an. Aktuell werden ca. 3600 Einsätze im Jahr gefahren. Die Gründe der Alarmierung reichen dabei von A wie Apoplex (Schlaganfall) bis Z wie Zyanose (Minderversorgung mit Sauerstoff) und decken dabei das ganze Spektrum der Rettungsmedizin ab. Die überwiegende Anzahl der Einsätze bilden internistische und neurologische Krankheitsfälle. Aufgrund der Lage des NEF 5 im Stadtgebiet stellen schwere Unfälle mit polytraumatisierten Patienten einen deutlich kleineren Anteil am Patientenkollektiv dar. Neben den primären Notfalleinsätzen stellt der Transport von bereits versorgten schwerkranken Patienten zwischen einzelnen Kliniken einen weiteren Aufgabenbereich für das NEF 5 dar. Diese Intensivverlegungen benötigen neben hochqualifiziertem Personal ein Höchstmaß an technischer Ausrüstung, welches durch die Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeuge der Feuerwehr Hannover vorgehalten wird.